Tibet/Dagyab

Tibet ist ein Land, das die Fantasie und die Herzen der Menschen schon seit vielen Jahren berührt. Der tibetische Kulturraum umfasst mehr als 10 Mio. Quadratkilometer, wird im Süden vom Himalaya begrenzt, im Westen vom Karakorum, in Norden vom Kunlun und im Osten von mehreren hohen Schneegebirgsketten. Im siebten Jahrhundert unserer Zeitrechnung entstand unter dem tibetischen König Songtsen Gampo das erste tibetische Großreich mit einer hochentwickelten Kultur. 90% der Tibeter sind zum Großteil tiefgläubige Buddhisten; daneben gibt es Anhänger der Bön-Religion oder von Naturreligionen.

Der heilige Berg Kailash

Grob lässt sich das Land in sechs charakteristische Regionen unterteilen: Zentraltibet mit Lhasa und anderen größeren Städten: Westtibet, dessen markantester Punkt der Heilige Berg Kailash darstellt; das relativ niedrig gelegene Südtibet, in dem es noch tiefe Urwälder gibt; der durchschnittlich 5000 m hochgelegene, fast vegetationslose Changthang (Nordtibet); Amdo (Nordosttibet), das Land der Nomaden, in dem auch viele andere Völkerschaften leben wie Mongolen und muslimische Minderheiten; dann zuletzt Kham im Osten, wild, grün, Bauern- und Nomadenland. Hier liegt auch Dagyab, das Projektgebiet.
Lange Zeit war Tibet mehr oder weniger abgeschottet gegen den Rest der Welt. Das endete 1950 mit dem Einmarsch der chinesischen Volksbefreiungsarmee abrupt. Politisch gesehen gehört Tibet momentan zur Volksrepublik China. Nach der verheerenden Kulturrevolution Mitte der 60er bis Mitte der 70er, in deren Folge Tausende von Klöstern und Kulturdenkmälern zerstört wurden, konnten in den 80ern im Zuge der allgemeinen Liberalisierung viele Monumente wieder aufgebaut werden. Jedoch ist die Freiheit der Religionsausübung immer noch großen Schwankungen unterworfen. 

Reliquienschrein

Die Zentralregierung in Beijing investiert viel in Tibet, doch gleichzeitig etablierten sich in den Städten viele chinesische Geschäftsleute, gegen die Tibeter kaum konkurrieren können. Problematisch ist auch, dass die Tibeter in vielen Schulen und für die Behandlungen im Krankenhaus nicht unerhebliche Gelder zahlen müssen, was den ärmeren Leuten unmöglich ist. Der "globale" Lebensstil mit gesichtslosen Betonbauten, billigen Industrieprodukten und primitiven Massenmedien überschwemmt zwangsläufig das Land und droht die tibetische kulturelle Identität zu zerstören.
So ist eine gründliche schulische Ausbildung durch tibetische Lehrer und das Erkennen des Wertes der eigenen Kultur (z.B. im Kunsthandwerk, der Literatur und traditionellen Medizin) aller Kinder in Tibet inzwischen "überlebensnotwendig".

Medizinschüler und Lehrer in Dagyab
Wertvolle Statue im Stadtempel von Bugön

Nur so können sie als mündige Bürger an notwendigen Reformen und an der Verbesserung des Lebensstandards mitwirken und haben die Chance, als zahlenmäßig kleines Volk neben zwei "Milliarden-Völkern" wie den Han-Chinesen und den Indern zu bestehen.

Wo liegt Dagyab?

Auf einer Fläche halb so groß wie Hessen liegt ganz im Osten der Autonomen Region Tibet - am Oberlauf des Mekong - unser Projektgebiet Dagyab. (siehe Karte) Die Landschaft dort ist betörend schön: fruchtbare Flussoasen mit wehrdorfähnlichen bäuerlichen Ansiedlungen, markante tief rote, karge Felslandschaften mit lotrecht stehenden geologischen Schichten und weite grüne Hochweiden wechseln sich ab.

Typische Landschaft in Dagyab
Dorf in Dagyab

Rund 50.000 Menschen leben dort überwiegend von der Landwirtschaft oder als Nomaden.
Straßen oder Telefone sind bisher in Dagyab, das selbst für tibetische Verhältnisse noch sehr rückständig ist, kaum zu finden. Das Pferd ist ein unverzichtbares Reisemittel in dem unwegsamen Gebiet, dessen Ebenen und Täler in Höhen zwischen 3100 und 4200 Meter liegen. Verwaltungssitz ist Yendüm mit etwa 1000 Einwohnern.